Hugo Wiener (16. Februar 1904 - 14. Mai 1993)
Cissy Kraner

Hugo Wiener begann bereits während seiner Schulzeit ein Musikstudium. Von 1928 an war er als Hausautor der Wiener Revuebühne "Femina" tätig, für die er mehr als 60 Revuen verfasste. Daneben bearbeitete er Operettenstoffe und schrieb Operetten. 1938 musste er emigrieren. Offiziell fuhr man zu einem "Femina"-Gastspiel nach Bogotá, Kolumbien. Mit im Ensemble war auch seine spätere Ehefrau Cissy Kraner: Cissy Kraner, von der Hans Weigel sagte, man müsse eigens für sie den Rang der "Kammerdiseuse" schaffen, begann in Wien und Holland als Soubrette am Theater bevor sie mit der Revuetruppe nach Kolumbien aufbrach. Sie kehrte aus Ablehnung des Faschismus und aus Liebe zu Hugo Wiener nicht nach Österreich zurück, sondern baute sich mit ihm zusammen unter Entbehrungen eine Existenz in Südamerika auf. Nach eigenen Angaben hätte Hugo Wiener die Zeit im Exil kaum durchgestanden, da ihn die Angst um seine in Europa zurückgelassene Familie und die Absurdität, als deutschsprachiger Autor auf einem spanischsprachigen Kontinent zu leben, mehrmals an den Rand des Suizids brachten.
Nach Ende des Gastspiels "Vamos a Colombia" gingen Wiener und Kraner zusammen nach Caracas, Venezuela. Wiener gab dort Klavierunterricht, arbeitete beim Radio-Orchester, schrieb Chansons und Revuen, Kraner schlug sich als Stenotypistin und Verkäuferin durch, eröffnete einen Zigarettenladen. Gemeinsam traten sie in "Wiener Abenden" auf.
1943 heirateten sie, kurz darauf eröffneten beide eine kleine Bar, "Johnny's Music-Box". Wiener saß am Klavier und begleitete seine Frau, die Chansons in fünf Sprachen sang. Das Unternehmen war ein Erfolg. Dennoch kehrten sie Ende der 40er Jahre nach Österreich zurück.
Ab 1950 waren sie Ensemblemitglieder des legendären Wiener Kabaretts "SIMPL". Hugo Wiener, der Doyen der Wiener Kabarettszene, war Ko-Autor der Revuen und schrieb zu einem großen Teil die berühmten Doppelconférencen für Karl Farkas und Ernst Waldbrunn. Nach dem Bruch mit Farkas, der krankhaft eifersüchtig alle Erfolge für sich selbst reklamierte, verließ das Duo Kraner/Wiener den "SIMPL" und gab weiterhin Chansonabende.
Hugo Wiener hat über hundert Kabarettprogramme und etwa 400 Chansons geschrieben und vertont, die Cissy Kraner durch ihre einzigartige Interpretation zum Erfolg führte, verfasste musikalische Lustspiele und Operettenlibretti, bearbeitete Musicals und Operetten für TV und Bühne, schrieb Drehbücher. 1972 veröffentlichte er sein erstes Buch, dem zahlreiche folgen sollten.
Cissy Kraner ist auch heute noch - nach fast 70 Bühnen-Jahren - eine der ganz Großen der raren Spezies der Diseusen - der Chansonetten urwienerischer Prägung!
 

Vergiftete Tauben, brennende Elefanten, erdolchte Gattinnen, Lebenslust bei drei Viertel, schrille Fantasien aus dem Gemeindebau, Tratsch und Klatsch ... Wortkaskaden und Buchstabensuppe ...
Leopold Kern läßt seiner österreichischen Seele freien Lauf und serviert längst fällige Highlights des Wiener Cabarets. Wer dabei allerdings auf pure Operettenseligkeit hofft, sitzt im falschen Theater.
Eine Auswahl der berühmt-berüchtigten schwarzen Lieder von Georg Kreisler rücken dem goldenen Wienerherz zu Leibe. In leichter Schräglage servieren dazu die Chansons von Hugo Wiener im zweiten Teil des Abends Wiener Schmäh mit Biss.

Leopold Kern verführt und verwirrt in der Rolle der "Familie Novak". Mit dem nötigen Schmelz und der unentbehrlichen Portion Walzerseligkeit werden die "Novaks" vom raunzigen Herrn Huber alias Mihai Grigoriu am Klavier begleitet. Heraus kommt eine urwienerische Melange aus Charme und Boshaftigkeit.

Wien surreal, ironisch gebrochen inszeniert von Herbert Wolfgang: Provokativ, aktuell, unverschämt.